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stay in change
 
Erfahrung und Zukunft brauchen einander. Jede Lebensphase
weiß etwas, das die andere noch nicht oder nicht mehr kennt.
Alt und jung, gestern und morgen sind keine Gegensätze,
nur verschiedene Blickwinkel.
Kommunikation ist kein Wettbewerb, sondern ein Tanz.
Und wer immer führen will, tanzt irgendwann allein.
Wahre Verbindung entsteht nicht durch Worte,
sondern durch geteilte Bedeutung:

durch Verstehen.

Bitte scrollen Sie nach dem Aufruf
zum Beginn der Dialoge.

Ein Meister formte Tassen aus Ton.
Tag für Tag, Jahr für Jahr.
Der Ton riss, der Rand war schief,
die Glasur verlief –
und der Meister lächelte und begann
von vorn.
Die Jahre gingen.
Seine Hände wurden ruhiger,
sein Blick weicher,
sein Anspruch stiller.
Eines Tages stand eine Tasse vor ihm.
Sie war einfach.
Nichts an ihr wollte gefallen.
Nichts wollte beweisen.
Der Meister sah sie an
und wusste:
Jetzt ist sie da.
Er stellte sie zwischen die anderen.
Ohne Zeichen.
Ohne Namen.
Am nächsten Morgen war sie fort.
Und der Meister arbeitete weiter.

Neu ist daran nichts. Neu ist nur, dass sich heute erstmals Generationen in Wort, Bild und Schrift begegnen.

Wir teilen Gedanken, die uns bewegen. Damit wir einander näherkommen, uns erkennen, uns verstehen.

Und hinterlassen Spuren von uns selbst für Tage, an denen wir nicht mehr sind. Nenne es nachhaltig.

Wir haben neue Formen unseres Selbst in neuen Räumen geschaffen. Jetzt sind wir multimodal.

Manifest des multimodalen Menschen
Gegenmainfest des verankerten Menschen
Charta des gehaltenen Menschen
comment 26-01-04
Worum es geht

Das Manifest des multimodalen Menschen versteht sich als Selbstbeschreibung einer Übergangsgestalt: des Menschen, der nicht mehr ausschließlich als individuelles, kohärentes Subjekt besteht, sondern als Netzwerk aus Identitäten, Rollen, Medien, Technologien und Beziehungen.

Zentral ist die These, dass der Mensch des 21. Jahrhunderts nicht mehr in monomodalen Existenzformen (Körper, Sprache, Rolle) lebt, sondern gleichzeitig in mehreren Modalitäten existiert:

  • körperlich
  • sozial
  • symbolisch
  • digital
  • datenförmig
  • narrativ

Identität wird nicht mehr als Kern, sondern als dynamisches Feld gedacht. Das Manifest verabschiedet sich explizit vom Ideal eines einheitlichen, stabilen Ichs und ersetzt es durch ein prozessuales Selbst, das sich je nach Kontext anders zeigt.

Ein zentraler anthropologischer Gedanke ist die Neudefinition der Seele:

Nicht als metaphysische Substanz, sondern als Resonanzraum, in dem Fühlen und Denken zusammenfallen und Kohärenz entsteht. Seele ist dort, wo Fragmentierung nicht verschwindet, aber gehalten wird.

Das Manifest formuliert außerdem implizit eine Ethik der Verantwortung:

  • für die eigenen Modalitäten

  • für technische Erweiterungen des Selbst

  • für den Umgang mit KI, Daten und Macht

Es fordert keine technologische Euphorie, sondern eine bewusste Selbstführung in einer Welt verteilter Identität. Der multimodale Mensch soll nicht mehr Kontrolle, sondern Integrationsfähigkeit entwickeln.

In Ton und Form ist das Manifest bewusst nicht programmatisch, sondern eher phänomenologisch und poetisch: Es beschreibt, was bereits geschieht, statt zu befehlen, was geschehen soll.

Gedanken dazu

1. Ein Manifest ohne Feindbild – Stärke oder Schwäche?

Auffällig ist zunächst, was fehlt:

Das Manifest benennt keinen klaren Gegner. Weder Kapitalismus, noch Technologie, noch „die Maschinen“ werden moralisch verdammt.

Das ist ungewöhnlich für ein Manifest – und zugleich seine Stärke wie seine Schwäche.

Stärke:
Es vermeidet einfache Schuldzuweisungen und reflektiert Komplexität. Es ist kein Aufruf zur Revolution, sondern zur Selbstwahrnehmung.

Schwäche:
Ohne Antagonisten droht das Manifest zu einem Spiegeltext für ohnehin Reflexive zu werden. Wer bereits fragmentiert lebt und darüber nachdenkt, fühlt sich erkannt. Wer Orientierung sucht, bekommt wenig Handlungsanweisung.

Kritisch formuliert:

Das Manifest erklärt hervorragend, was ist – bleibt aber vorsichtig darin, was zu tun wäre.

2. Der Begriff der „Seele“: kluge Rettung oder semantische Überladung?

Die Entscheidung, den Seelenbegriff nicht aufzugeben, sondern neu zu codieren, ist einer der interessantesten Züge des Textes.

Seele erscheint hier nicht religiös, sondern funktional-existenziell: als Integrationsleistung zwischen Denken und Fühlen.

Das ist anschlussfähig an Psychologie, Phänomenologie und sogar Systemtheorie.

Gleichzeitig bleibt offen, ob der Begriff dadurch gerettet oder entkernt wird:

  • Für spirituell geprägte Leser:innen könnte die Seele hier zu „dünn“ erscheinen.

  • Für technikaffine Leser:innen bleibt sie möglicherweise zu „weich“ und metaphorisch.

Die Diagnose wäre:

Der Seelenbegriff wirkt im Manifest weniger als ein Fundament als wie ein Brückenwort, das sehr unterschiedliche Lesergruppen miteinander ins Gespräch bringen soll.

3. Multimodalität: Beschreibung oder Norm?

Ein kritischer Punkt liegt in der Normativität durch Beschreibung.

Das Manifest behauptet nicht offen: „So soll der Mensch sein.“
Aber es legt nahe: „So ist der zeitgemäße Mensch.“

Damit entsteht subtiler Druck:

  • Wer nicht multimodal lebt, wirkt rückständig.

  • Wer sich nach Einfachheit, Klarheit, Rückzug sehnt, taucht kaum auf.

Die Frage, die sich stellt:

Ist Multimodalität eine Befreiung – oder eine Anpassungsleistung, die der Mensch erbringen muss, um in einer überkomplexen Welt nicht zu scheitern?

Das Manifest problematisiert diese Ambivalenz nur indirekt.

4. Technik und KI: reflektiert, aber vorsichtig entpolitisiert

Der Umgang mit KI und digitalen Systemen ist bemerkenswert ruhig.
Keine Dystopie, keine Erlösungsfantasie.

KI erscheint als Ko-Modalität, nicht als fremde Macht.
Der Mensch bleibt verantwortlich – auch für die Bedeutung, die er Maschinen zuschreibt.

Das ist philosophisch sauber, aber politisch zurückhaltend.

Eine Kritik könnte lauten:

Das Manifest vertraut stark auf individuelle Bewusstheit,
unterschätzt aber möglicherweise strukturelle Machtverhältnisse,
in denen Multimodalität nicht gewählt, sondern erzwungen wird.

5. Stilistische Einordnung

Stilistisch steht das Manifest:

  • näher an Sloterdijk, Haraway, Bateson als an klassischen politischen Manifesten

  • näher an einem Zeitdiagnose-Essay als an einem Aktionsprogramm

Es eignet sich weniger für Parolen, mehr für:

  • Lesekreise

  • Diskurse

  • langsame Aneignung

Es ist ein Text für Übergangszeiten – nicht für Barrikaden.

Worte der Weisen:

Viele beklagen sich, daß die Worte der Weisen immer wieder nur Gleichnisse seien, aber unverwendbar im täglichen Leben, und nur dieses allein haben wir. Wenn der Weise sagt: ‚gehe hinüber‘, so meint er nicht, daß man auf die andere Seite hinübergehen solle, was man immerhin noch leisten könnte, wenn das Ergebnis des Weges wert wäre, sondern er meint irgendein sagenhaftes Drüben, etwas, das wir nicht kennen, das auch von ihm nicht näher zu bezeichnen ist und das uns also hier gar nichts helfen kann. – Alle diese Gleichnisse wollen eigentlich nur sagen, dass das Unfaßbare unfaßbar ist, und das haben wir gewußt. – Aber das, womit wir uns jeden Tag abmühen, sind andere Dinge.

Darauf sagte einer: ‚Warum wehrt ihr euch? Würdet ihr den Gleichnissen folgen, dann wäret ihr selbst Gleichnisse geworden und damit schon von der täglichen Mühe frei.‘ Ein anderer sagte: ‚Ich wette, dass auch das ein Gleichnis ist.‘ Der Erste sagte: ‚Du hast gewonnen.‘ Der Zweite: ‚Aber leider nur im Gleichnis.‘ Der Erste sagte: ‚Nein, in Wirklichkeit; im Gleichnis hast du verloren.‘

   (Franz Kafka)

Es ist ein weit verbreiteter Unfug, daß die Liebe über die Freundschaft gestellt wird und außerdem als etwas völlig anderes betrachtet. Die Liebe ist aber nur soviel wert, als sie Freundschaft enthält, aus der allein sie sich immer wieder herstellen kann. – Mit der Liebe der üblichen Art wird man nur abgespeist, wenn es zur Freundschaft nicht reicht.

   (Bertolt Brecht)